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Archive for Februar 2010

90-99: STINA NORDENSTAM

CQD = SEEK YOU DANGER, PRE MORSE CODE DISTRESS SIGNAL

„it takes a desert to need someone like you“

Nähe, Kälte und Distanz: Auf den ersten drei Alben der schwedischen Musikerin Stina Nordenstam konnte man in den Neunzigern eine Entwicklung mitverfolgen, die ihren Höhepunkt in einem Album fand, das wie ein dunkler Klotz allein auf weiter Flur steht. Die konsequente Reduktion der Musik auf den düsteren emotionalen Kern ist wohl nur mit den Spätwerken solcher um einiges renommierterer Schwergewichte wie Scott Walker und David Sylvian vergleichbar (ohne dabei in deren manchmal vorhandene Tendenz zum prätentiösen Kunsthandwerk zu verfallen).
Dabei fing die Sache noch recht harmlos an: als Gewinn bei einem Talentwettbewerb erhielt Stina Nordenstam die Möglichkeit, 1991 ihr Debütalbum aufzunehmen. Auf dem so entstandenen „Memories of a Color“ sind ihre Songs noch in Arrangements verpackt, die teilweise gefährlich nah am adult orientated Jazz-Pop vorbeischrammen. Eine größtenteils eher nur nette Platte, auf der jedoch in den besten Liedern bereits Untiefen durchschimmerten, die im Folgenden immer mehr in den Vordergrund drängen sollten.

Denn schon das 3 Jahre später entstandene Album „And She Closed Her Eyes“ lässt den Vorgänger eher als erste Fingerübung erscheinen. Die Instrumentierung um ihre seltsam volumenlose, aber ungeheuer prägnante Stimme herum wird merklich zurückgefahren. Auch die scheinbar leicht zugänglichen Lieder wie den Mini-Hit „Little Star“ verwandelt sie durch den Einsatz von Chorgesang und verhallten Trompetenklängen in kühlere Klangräume. Titel wie „Crime“ und „Murder in Maryland Park“ weisen nicht nur in den fragmenthaften Texten auf dunkle Szenarien hin, auch durch die Melodien wird versucht, die tragische Dimension der Ereignisse zu erfassen. Doch Stinas Gesang und ihr Gespür für reduzierte Arrangements schaffen es komischerweise auch in diesen sehr emotionalen Momenten Distanz zu wahren, die wie eine Glaswand jede allzu leichte Identifikation verhindert.

Mit dem 96er Album „Dynamite“ erreichte sie dann den extremsten Außenposten an frostiger Abstraktion. Die Lieder wirken wie entkernt, sind meist nur um Gesang und die klirrenden Überreste ihrer Gitarre herum aufgebaut. Gelegentlich mischen sich aus der Entfernung metallisch-schleppende Beats und arktische Streicher wie aus einer TV-Doku über eine gescheiterte Nordpolexpedition dazu. Jedes klangliche Element scheint in seinem eigenen isolierten Raum festzusitzen. Eine klamme, von grauem Licht ungünstig erhellte Welt entsteht vor dem inneren Auge – „like the morning shot through a diving bell“. Und dazu singt Stina mit irritierend ruhiger Stimme von krankhaften Abhängigkeiten und gewalttätigen Rachephantasien. Auch das von ihr selbst inszenierte und selten im Musikfernsehen gezeigte Video zu „This Time John“ unterstreicht den harschen, und doch um eine verstörte Form von Schönheit und Melancholie bemühten Ton der Platte. Die Dunkelheit, die rückblickend von Anfang an hinter allem stand, behält hier jedoch die Oberhand, und es scheint schwer vorstellbar wie es danach überhaupt weitergehen könnte.

Doch natürlich ging es weiter:
Nach dem eigenwilligen Cover-Album „People Are Strange“ (auf dem sie unter Anderem „Purple Rain“ und Rod Stewarts „Sailing“(!) neu interpretiert) und dem noch mehr mit programmierten Beats arbeitendem „This Is Stina Nodenstam“ erschien 2004 ihr bislang leider letztes Album, „The World Is Saved“, das es schafft die finsteren Untertöne auch in sorgfältig ausarrangierten und eingängigen Liedern wie „Get On With Your Live“ stets spürbar zu machen. Ganz dem Albumtitel widersprechend ist hier nichts sicher.

„Even you are falling when you’re turning out the light/
Strange and lovely facts for us who cannot sleep at night“

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Ein schöner Mix aus dem Januar 2010 mit einer erlesenen Auswahl (Prosumer & Murat Tepeli, Whomadewho, Chloé, Anton Zap, Stl, John Roberts, Nina Kraviz, Carsten Jost, Tinman, Christian Löffler, Pépé Bradock), zu finden als Download auf Soundcloud.com.

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