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Archive for August 2010


Ein neues Berliner Label, Destination Pop, startet diese Woche mit zwei sehr unterschiedlichen, auf eine Auflage von 500 Exemplare limitierten Vinyl-Veröffentlichungen. Den Anfang macht dabei die schwedische Musikerin Sarah Nyberg Pergament, die in den letzten Jahren als Action Biker bereits einige Singles auf verschiedenen Labels veröffentlichte. „Hesperian Puisto“ erscheint nun erstmalig als 7“-Single (bislang war der Song nur auf dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2008 zu hören) , auf deren B-Seite sich zudem mit „Tears With You Tears Without“ ein bislang unveröffentlichter Track findet. Die Songs von Action Biker zeichnet ein karger, minimalistischer Charme aus, der sehr an die frühen Au Revoir Simone und The Somnambulants erinnert. Die extrem reduzierte Instrumentation aus verhaltenen Drumcomputer-Rhythmen und E-Piano-Arpeggios ergänzt sich hervorragend mit Nyberg Pergaments (teilweise mehrstimmigen) verhuschten Gesang. Ohne auch nur ansatzweise düster daherzukommen, erzeugen die Songs von Action Biker ein Gefühl von beklemmender Isolation, was in dieser Form wohl zuletzt noch am ehesten Emiliana Torrini mit „Dead Things“ oder Electronica-Schöngeistern wie Sensorama, Donna Regina oder Aromabar gelang.

Eine besonders pikante Veröffentlichung ist „Return to Love“ von Billy MacKenzie, welches 1995 in Kooperation mit Steve Aungle entstand und nun erstmals alsVinyl-Single erscheint. Der Song gibt einen Einblick in die Spätphase des ehemaligen Associates-Sängers, der zu dieser Zeit auch für Künstler wie Yello, Barry Adamson und Apollo Four Forty Gast-Vocals beisteuerte. Musikalisch beschritt er damals elektronischere Pfade, ohne dabei den Hang zum zeitlosen Pop zu verlieren. Das beweist vor allem „Return to Love“: unterlegt mit einem Streicherteppich, der gleich zu Beginn ein Flair der urbanen Melancholie von David Bowies „Low“ aufkommen lässt, hebt der Song mit MacKenzies himmlischem Gesang auf tanzbaren Synthesizer-Rhythmen in unwiderstehlich euphorische Gefilde ab. Heute, nach Italo Disco-Revival, unzähligen Post-Punk-Wiederveröffentlichungen und der Rückkehr des Pop in die Clubs wirkt dies auf seltsame Weise zeitgemäßer als in seiner Entstehungszeit und reiht sich damit problemlos in den Kanon der Associates-Klassiker ein. Die B-Seite „The Soul that Sighs“ schlägt hingegen einen schwermütigeren Ton an und bewegt sich in jenem Grenzbereich zwischen Trip Hop und symphonischen Pop, den in den Neunzigern Bands wie Mono oder Mandalay eindrucksvoll ausfüllten. Angetrieben von schleppenden esoterischen Percussions, einer markanten Piano-Quarte und MacKenzies Gesang – hier sehr an David McAlmont erinnernd –, wirkt das Stück wie eine apokalyptische Variante von Marvin Gaye.

Freunden der Vinyl-Single-Kultur ist wärmstens empfohlen, die weiteren Aktivitäten von Destination Pop im Auge zu behalten. Es besteht Grund zur Hoffnung, dass die Kombination aus Veröffentlichungen hierzulande (noch) unbekannter Künstler und Raritäten früherer Helden in Bälde fortgeführt wird.

Action Biker – Hesperian Puisto / Tears With You Tears Without, Billy MacKenzie & Steve Aungle – Return to Love / The Soul that Sighs (Destination Pop, VÖ: 09.08.2010)

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